Die Fassade des Palazzo Farnese in Rom
Lot n° 5019
Chaque 33,7cmx53cm
Bartsch XV, S. 270,102; Robert-Dumesnil IX, S. 175, 105 (Salamanca) und S. 176, 106 (Lafreri); Huelsen 1921, 162, Nr. 102 A (Lafreri), 102 C (Salamanca).
Nicolas Beatrizet war nach seiner um 1540 erfolgten Übersiedlung nach Rom zuerst als Kupferstecher für dortige Verleger wie Antonio Salamanca und Tommaso Barlacchi tätig. Von 1547-1560 arbeitete der Künstler im einflußreichen Verlag Antonio Lafreris, um sich dann ab etwa 1558 auch als selbständiger Verleger hervorzutun. Unter dem Einfluß von Enea Vico und Giorgio Ghisi entwickelte Beatrizet mit der Zeit einen kraftvollen und technisch hoch entwickelten Gravierstil. Die beiden von Beatrizet geschaffenen Kupferstiche zeigen die Fassade des von Antonio da Sangallo und Michelangelo erbauten Palazzo Farnese in Rom, eines der meist gefeierten Bauwerke seiner Zeit. Der Vergleich der zwei Kupferstiche liefert darüberhinaus auch aufschlußreiche Informationen über den Vertrieb und Handel mit Druckgraphik im Rom jener Zeit, insbesondere über die Rivalität zwischen den beiden bekanntesten, dort agierenden Kupferstichverlegern: dem Franzosen Antonio Lafreri (1512-1577), der um 1540 nach Rom gekommen war und dem Spanier Antonio Salamanca (1478-1562), der sich bereits 1505 in der Ewigen Stadt niedergelassen hatte. Beide Graphikverleger waren spezialisiert auf den Vertrieb von Darstellungen sowohl antiker als auch zeitgenössischer römischer Bauwerke, für die sie unter anderem Beatrizet als Kupferstecher engagierten. Der bei Lafreri verlegte Kupferstich gehört dem Speculum Romanae Magnificentiae an, einem Album mit Darstellungen der künstlerisch bedeutendsten Bauwerke Roms. Reproduktionstiche nach ausgewählten Meisterwerken der antiken Skulptur waren dem Sammelband ebenfalls beigefügt. Der große Erfolg Lafreris war teils das Ergebnis eines intelligenten Geschäftskonzepts, das Romreisenden die Möglichkeit bot, die Kupferstiche entsprechend ihren persönlichen Vorlieben und finanziellen Mitteln auswählen und zu einem privaten Sammelband zusammenbinden zu lassen. Namentlich in den 1540er Jahren entwickelte sich eine erbitterte Rivalität zwischen Lafreri und Salamanca. Die Konkurrenten kopierten über einen längeren Zeitraum hinweg die Stiche des Rivalen, so daß heute nicht immer deutlich zu erkennen ist, wem das Lob der Erstveröffentlichung gebührt. Müde gekämpft, beschlossen Salamanca und Lafreri schließlich im Jahre 1553 ihren Wettbewerb zu beenden und ein gemeinsames Unternehmen zu gründen, das bis zu Salamancas Tod 1562 bestand. Die zwei Ansichten des Palazzo Farnese entstanden kurz vor dem Beginn jener friedlichen Coexistenz. In diesem spezifischen Fall wurden beide Kupferstiche durch den selben Autor, Nicolas Beatrizet ausgeführt. Die jeweiligen Unterschiede sind minimal und als auffälligstes Merkmal sticht die abweichende Typographie hervor. Bartsch und Huelsen waren der Ansicht, daß es sich bei Salamancas Version um die Erstfassung des Stiches handelt, während Michael Bury das Gegenteil vermutet. Der von Salamanca verlegte Druck sei die seitenverkehrte Nachbildung von Lafreris Kupferstich (siehe M. Bury, The Print in Italy. 1550 - 1620, Kondon 2001, S. 122; Nr. 89, S. 141).
Prachtvolle Drucke. Das Exemplar von Lafreri mit der Plattenkante an drei Seiten, unten mit feinem Rändchen. Unauffällige Mittelfalte, ganz leichte Gebrauchsspuren, sonst in sehr guter Erhaltung. Das Exemplar von Salamanca mit der ringsum sichtbaren Plattenkante. Geringfügige Gebrauchsspuren, sonst in sehr guter Erhaltung.
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- BEATRIZET Nicolas
